MICROSOFT LIZENZIERUNG · MODUL 3 · PURVIEW
Microsoft Purview:
Welche Compliance-Funktionen sind enthalten – und wann wird eine Zusatzlizenz benötigt?
Microsoft Purview hilft dabei, sensible Daten zu schützen, Aufbewahrung zu steuern, Aktivitäten nachzuverfolgen und Untersuchungen zu unterstützen. Nicht jede Funktion ist in jedem Microsoft-365-Plan enthalten.
Die kurze Antwort
Purview wird nach konkreter Funktion, Lizenzniveau und den betroffenen Personen bewertet.
Grundlegende Funktionen können bereits in vorhandenen Microsoft-365-Plänen enthalten sein. Erweiterte DLP-, Audit-, eDiscovery- und Risikofunktionen verlangen häufig E5 oder passende Purview-Zusatzrechte.
- 01Information Protection kennzeichnet und schützt sensible Informationen.
- 02Data Loss Prevention verhindert unerwünschte Weitergabe sensibler Daten.
- 03DLP für Teams, Endgeräte oder Copilot kann weitergehende Lizenzrechte erfordern.
- 04Audit Standard und Audit Premium unterscheiden sich unter anderem bei der Aufbewahrungsdauer.
- 05Die Purview Suite verlangt eine passende Enterprise- oder Business-Premium-Basislizenz.
Zuerst die Grundlagen
Was macht Microsoft Purview überhaupt?
Einfach gesagt beantwortet Purview, welche Daten vorhanden sind, wie sie geschützt werden und was mit ihnen passiert.
Information Protection und Sensitivity Labels
Vertrauliche Inhalte können erkannt, klassifiziert und mit passenden Schutzkennzeichnungen versehen werden.
Data Loss Prevention
DLP-Regeln erkennen beispielsweise Finanzdaten, Gesundheitsinformationen oder personenbezogene Daten und können deren Weitergabe einschränken.
Retention und Records Management
Aufbewahrungsregeln unterstützen Organisationen dabei, Informationen passend zu gesetzlichen und geschäftlichen Anforderungen zu behalten oder zu löschen.
Audit, eDiscovery und Risikomanagement
Aktivitäten können protokolliert, Inhalte für Untersuchungen gesucht und riskante interne Vorgänge bewertet werden.
Lizenzmodelle verständlich vergleichen
Welche Purview-Funktionen benötigen häufig zusätzliche Rechte?
Die folgende Tabelle ist eine Orientierung. Entscheidend bleiben die konkrete Funktion, der betroffene Dienst und die jeweiligen Nutzer im Geltungsbereich.
| Funktion oder Produkt | Typische Lizenz | Wichtig für die Entscheidung |
|---|---|---|
| Grundlegende Kennzeichnung und Schutzfunktionen | Je nach Funktion vorhandene Microsoft-365- oder Office-365-Basis | Nicht jede Sensitivity-Label- oder Verschlüsselungsfunktion ist in jedem Plan enthalten. |
| DLP für Exchange, SharePoint und OneDrive | Funktionsabhängig vorhandene Basis- oder geeignete Zusatzlizenz | Regel, Ort, Klassifikator und betroffene Nutzer einzeln prüfen. |
| DLP für Teams und Endgeräte | Typischerweise Microsoft 365 E5 oder passende Purview Suite | Teams-DLP und Endpoint-DLP werden von Microsoft als erweiterte Funktionen ausgewiesen. |
| DLP für Microsoft Copilot | Geeignete E5-, Purview-Suite- oder ausdrücklich berechtigte Lizenz | Eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz allein ersetzt nicht automatisch Purview-DLP-Rechte. |
| Audit Standard / Audit Premium | Standard nach Basisplan; Premium beispielsweise mit E5 oder passendem Add-on | Standard-Auditdaten werden laut Microsoft typischerweise 180 Tage, Premium-Daten je nach Workload ein Jahr aufbewahrt. |
| eDiscovery und Insider Risk Management | Funktionsabhängig E5, Purview Suite oder geeignete Einzelrechte | Erweiterte Untersuchungen, beteiligte Personen und geschützte Datenquellen getrennt bewerten. |
Vor dem Kauf prüfen
E3, E5 oder Business Premium: Welche Purview-Suite passt?
Eine passende Suite hängt von der vorhandenen Basislizenz ab. Enterprise- und Business-Premium-Angebote dürfen nicht verwechselt werden.
Vorhandene Basisfunktionen zuerst prüfen
Microsoft 365 E3 beziehungsweise Office 365 E3 kann bereits wichtige Grundfunktionen enthalten. Für weitergehende Compliance-Funktionen muss die konkrete SKU geprüft werden.
Mehr erweiterte Compliance-Rechte
Microsoft 365 E5 enthält zahlreiche erweiterte Purview-Funktionen. Trotzdem können besondere Funktionen, Abrechnungsmodelle oder weitere Voraussetzungen separat gelten.
Microsoft Purview Suite
Die Enterprise-Purview-Suite setzt Microsoft 365 E3 oder Office 365 E3 gemeinsam mit Enterprise Mobility + Security E3 voraus.
Purview Suite für Business Premium
Für kleinere Organisationen bietet Microsoft eine eigene Purview Suite für Microsoft 365 Business Premium an. Business Basic oder Business Standard allein sind dafür keine ausreichende Basis.
Wer braucht tatsächlich eine Lizenz?
Wer muss lizenziert werden, wenn eine Purview-Regel zentral aktiv ist?
Zentral aktiviert bedeutet weder, dass eine einzige Lizenz genügt, noch automatisch, dass jede Person die höchste Lizenzstufe benötigt.
Betroffene Nutzer und Datenquellen prüfen
Bei Teams-DLP profitieren beispielsweise die Personen, deren Nachrichten anhand der DLP-Regel überprüft werden.
Geschützte Anwender auf verwalteten Geräten
Endpoint-DLP-Regeln können auf Nutzer ausgerichtet sein, die sich an eingebundenen Geräten anmelden. Der tatsächliche Geltungsbereich ist entscheidend.
AI-Nutzung und Datensicherheit gemeinsam betrachten
Wenn sensible Inhalte in Copilot eingeschränkt werden sollen, müssen Copilot-Nutzung und die erforderliche Purview-Funktion gemeinsam geprüft werden.
Einzelne Funktionen können zusätzlich nach Nutzung kosten
Microsoft weist für bestimmte Browser- oder Netzwerk-DLP-Szenarien auf Pay-as-you-go hin. Eine Suite bedeutet deshalb nicht automatisch unbegrenzte Inklusivnutzung.
Ein Beispiel aus der Praxis
500 E3-Nutzer und eine DLP-Richtlinie für 80 Mitarbeitende
Ein Unternehmen möchte verhindern, dass sensible Finanzinformationen über Teams geteilt werden. Die Richtlinie soll zunächst nur für 80 Mitarbeitende gelten.
Funktion genau bestimmen
Es geht nicht allgemein um Purview, sondern konkret um DLP für Microsoft Teams und die tatsächlichen Nutzer im Geltungsbereich.
Vorhandene Basislizenzen prüfen
Die 80 betroffenen Personen benötigen eine passende Basislizenz und zusätzlich eine Berechtigung, die Teams-DLP ausdrücklich umfasst.
Regel technisch begrenzen und dokumentieren
Wenn die Richtlinie tatsächlich auf 80 Personen begrenzt ist, muss nicht automatisch für alle 500 E3-Nutzer ein Upgrade gekauft werden. Eine Ausweitung verändert jedoch den Lizenzbedarf.
Checkliste für die Praxis
Checkliste für die Praxis
- 01Welche konkrete Purview-Funktion wird benötigt: Labels, DLP, Audit, eDiscovery, Retention oder Insider Risk?
- 02In welchem Dienst wirkt die Funktion: Exchange, SharePoint, OneDrive, Teams, Endgerät oder Copilot?
- 03Welche Basisrechte besitzen die betroffenen Nutzer bereits?
- 04Ist eine Enterprise-Purview-Suite oder die spezielle Business-Premium-Suite erforderlich?
- 05Welche Personen werden durch die Richtlinie geschützt oder überwacht?
- 06Kann der technische Geltungsbereich tatsächlich auf die lizenzierte Nutzergruppe begrenzt werden?
- 07Gibt es zusätzliche Pay-as-you-go-Kosten oder besondere Anforderungen an Aufbewahrung und Audit?
LizenzFrau-Merksatz
Nicht Purview pauschal lizenzieren. Die konkrete Funktion und ihren tatsächlichen Geltungsbereich prüfen.
Die richtige Entscheidung verbindet vorhandene Basislizenzen, benötigte Compliance-Funktionen, geschützte Nutzer und möglichen Zusatzverbrauch.
Offizielle Microsoft-Quellen
Offizielle Microsoft-Quellen
Produktumfang, Lizenzvoraussetzungen und Funktionsrechte können sich ändern. Verbindlich sind die aktuellen Microsoft Product Terms und der konkrete Vertrag.
- 01Microsoft Learn: Microsoft Purview service description↗
- 02Microsoft Learn: Search the audit log↗
- 03Microsoft Learn: Get started with auditing solutions↗
- 04Microsoft Learn: Learn about eDiscovery↗
- 05Microsoft: Microsoft Purview Suite for enterprise customers↗
- 06Microsoft: Purview Suite for Microsoft 365 Business Premium↗
Hinweis: Dieser Artikel bietet eine verständliche Orientierung und ersetzt keine individuelle Vertrags-, Lizenz- oder Rechtsprüfung.